Wie geht es weiter mit unserem Gemeindewald?

In einem gemeinsamen Antrag der FDP und CDU wird aktuell vorgeschlagen, aus der Betreuung durch HessenForst auszusteigen, und nach privatwirtschaftlichen Alternativen zu suchen. Dieser Antrag greift die derzeitige Diskussion auf, in der HessenForst als institutionellem Forstbewirtschafter und „Staatsbetrieb“ viel Kritik entgegen gebracht wird.

Hier sind einige Fakten zur derzeitigen Situation:

  • HessenForst ist standardmäßig zuständig, wenn die Gemeinde keine eigenen Förster beschäftigt oder die Beförsterung an jemanden anderen vergibt.
  • Die Kündigungsfrist, um bei HessenForst auszusteigen, beträgt normalerweise 2 Jahre zum Ende eines Kalenderjahres. Das wäre also Ende 2024.
  • Die Vermarktung des Holzes, was in unserem Gemeindewald geerntet wird (oder als Schadholz anfällt), ist über den kommunalen Verband Holzkontor organisiert.
  • Die Gemeinde Mühltal besitzt ca. 350 Hektar Wald. (Karte) Auf dem Gemeindegebiet der Gemeinde Mühltal liegt darüber hinaus noch Privatwald und Staatswald. Für deren Beförsterung ist die Gemeinde nicht zuständig.

Gerade in Zeiten der Pandemie freuen wir uns als Spaziergänger, Hundebesitzer, Mountainbiker, Sportverein, Radfahrer… über die schönen Waldwege vor unserer Haustür. Und gerade in Zeiten des Klimawandels stecken so viele weitere Nutzungen und Funktionen des Waldes in Schwierigkeiten und Konflikten: Holzernte, Artenvielfalt, Wasserschutz, Co2-Speicher, Jagdrevier… 

Durch die Hitzesommer sind viele Bäume stark geschädigt. Niemand kann vorhersagen, welche Baumarten einem ständigen Wechsel aus extremen Dürrejahren und eher nassen Jahren langfristig widerstehen können. Möglicherweise ist Waldbrand-Vorsorge zukünftig auch bei uns eine Aufgabe der Waldwirtschaft. 

Auch gesunde Buchen können durch die Belastungen der Dürresommer binnen weniger Jahre absterben. Foto: Magdalena Böttger

Die Grünen haben eher die Haltung, dass es wichtig ist, zu definieren, wie der Wald bewirtschaftet werden soll. Danach könnte man immer noch sehen, ob HessenForst dem folgen kann. Oder ob ein neuer Anbieter besser geeignet wäre. Wir gehen davon aus, dass der Wald in den nächsten Jahrzehnten finanziell eher ein Defizit bringen wird, da trotz höherer Holzpreise die absichtliche Holzernte (Hauptnutzung) sich aufgrund der Klimaschäden kaum noch rechnen wird.

Trotzdem werden wir voraussichtlich beim Antrag der FDP und CDU mitgehen. Der Abschied von HessenForst bringt aus Verwaltungssicht einen Schwung und Dringlichkeit in die Sache. Klima-bezogen ist diese Dringlichkeit schon da. Wir sind zuversichtlich, dass sich innerhalb der zweieinhalb Jahre Kündigungsfrist Alternativen auftun werden. Zum genauen Verfahren und den konkreten Alternativen sind momentan noch Fragen offen.

  • Welche privaten Anbieter gibt es, die in unserer Region tätig sind und uns mit betreuen könnten? Bestehende Beispiele für solche Firmen sind Forstservice Taunus GmbH und Forstservice Ihrig (im Odenwald).
  • Welche Aufgaben kann/soll eine Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) übernehmen? Kann unsere derzeitige FBG Darmstadt (Geschäftsführer ist Jörg Lautenschläger, Bürgermeister Modautal) wiederbelebt werden und zB die Forstbetriebliche Leitung übernehmen? Oder wäre der Beitritt in eine andere, aktive FBG besser für Mühltal? Beispiele für engagierte FBGs in unserer Region sind FBG Rhein-Main und Forstzweckverband Hessischer Odenwald, der wiederum Teil der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland Genossenschaft ist.
  • Wie läuft die Ausschreibung idealerweise ab? Wer erstellt den Ausschreibungstext? Nach welchen Kriterien und Prioritäten?

Dabei möchten wir darauf hinweisen, dass es bei der Kündigung nicht um eine persönliche Kritik an unserem alten oder neuen Revierleiter geht.

Egal wie die Ausschreibung ablaufen wird – In jedem Fall ist es sinnvoll, das Wie neu zu überlegen. Damit die möglichen neuen Anbieter wissen, in welche Richtung es bei uns gehen soll. Die eine für alle Wälder passende Antwort gibt es nicht. Und ob wir heute die richtigen Entscheidungen treffen, werden wir erst in vielen Jahren wissen. Diese Unsicherheit kann uns niemand abnehmen.

Die Bestandsaufnahme und der Plan, wie der Wald bewirtschaftet werden soll, nennt man „Forsteinrichtung. Diese erfolgt verpflichtend mindestens alle 10 Jahre. Die aktuell gültige Forsteinrichtung für den Wald in Mühltaler Gemeindebesitz berücksichtigt zum Teil schon die Anforderungen für Naherholung und Artenschutz, und sieht eine moderate Holzernte vor. Die Ziele in der Forsteinrichtung sind so beschrieben:

Der Plan gilt noch bis 2026. In den letzten Jahren hat sich an der Situation im Wald und am Problembewusstsein der Bürger aber so viel geändert, dass es sinnvoll wäre, die Forsteinrichtung möglichst bald neu zu planen. Dabei sollen vor allem auch verschiedene Nutzergruppen des Waldes gehört werden. Ein Prozess zur Bürgerbeteiligung kann ganz unterschiedlich ablaufen und kann von der Gemeinde ausgeschrieben werden. Wir arbeiten gerade an einem Antrag dazu.

Zusammenfassend kann man sagen: Schon seit Jahrhunderten ist unser Wald wirtschaftlich genutzt und produziert Holz. Nicht viel anders als ein Bauernhof, der Lebensmittel produziert. Darüber hinaus erbringt der Wald viele weitere Funktionen, als Lebensraum für Tiere, Erholungsraum für Menschen, Wasserspeicher, Bodenschützer, CO2-Speicher, Radweg und vieles mehr. Der Erholungsnutzen ist für viele Menschen am sichtbarsten. Es ist auch der Nutzen, der Geld kostet: Nämlich für den Erhalt der Wege und um dafür zu sorgen, dass Spaziergänger nicht von toten Ästen und Bäumen erschlagen werden. (Verkehrssicherung)

Wir wollen versuchen, diese Funktionen und deren Kosten neu zu bewerten. Dabei verschiedene Stimmen zu hören. Und eine gute Herangehensweise für die kommenden schwierigen Jahre zu finden.

Magdalena Böttger
2.3.2022