Grüne Haltung

von Magdalena Böttger

Beim den Aktivitäten zum aktuellen Kommunalwahlkampf habe ich mich zurückgehalten – Pflege von Angehörigen und Sozialbürokratie zehren an meinen Ressourcen. Neue Leute stehen auf der Grünen Liste und in den Startlöchern und haben viel vor. Die schaffen das auch ohne mich. Manchmal wundere ich mich, wie wir so viele tolle engagierte Mitglieder gewinnen. In den Medien sind die Grünen “an allem Schuld”. In den Kommentaren auf Social Media werden die grünen Beiträge besonders ausgiebig kritisiert. Mit Wahlergebnissen zwischen 10 und 20 Prozent sind die Grünen, wenn überhaupt, meist nur der kleine Partner in einer Koalition. 

Ich trete gedanklich einen Schritt zurück und schaue mir unsere alten und neuen Mitglieder an und schaue auf die Diskussionen in der Gemeindevertretung in den letzten fünf Jahren. Was ist typisch grün? Warum machen wir das alles? Hier sind meine persönlichen Gedanken dazu:


Wir möchten im Einklang mit der Natur leben.

Wir respektieren die Existenz von allen Pflanzen, Tieren und Menschen.

Wir schätzen die Unterschiedlichkeit der Menschen. Wir möchten jedem die Freiheit geben, sein persönliches Glück zu suchen und seinen persönlichen Beitrag zu leisten.

Mensch und Natur und Technik und Gesellschaft sehen wir als verbunden. Das ist alles die uns umgebende Welt, die Umwelt. 

Wir möchten Umweltkatastrophen vermeiden. Wir nutzen die Wissenschaft, um mögliche zukünftige Katastrophen zu erkennen und diese zu verhindern oder deren Folgen abzumildern. 

“Umweltkatastrophen” sind in diesem Verständnis nicht nur die Klimakatastrophe, sondern zum Beispiel auch die Coronapandemie, eine Kernschmelze in einem Atomkraftwerk oder ein autoritärer Umschwung wie unter Trump. 

Die Länder der Erde sind vielfach miteinander verbunden, durch Klima, Weltwirtschaft, globale Kultur, internationale Freundschaften und Familien, das Internet… Diese Verbundenheit schätzen wir. Wir möchten, dass sich gute Ideen zu Menschenrechten, Naturschutz und gegenseitigem Respekt in allen Ländern entwickeln.

Wir möchten weniger Wachstum “in die Breite”,  sondern mehr Wachstum “in die Höhe und Tiefe”. Also zum Beispiel nicht mehr noch Einfamilienhäuser am Ortsrand sondern Altbau sanieren, mehrgeschossig bauen, altersgerechte Wohnungen schaffen. Nicht noch mehr Autos, sondern mehr ÖPNV und CarSharing. Nicht noch mehr Konsum, sondern mehr Qualität und Sinn.

Die Grünen werden mit dieser Haltung wohl nie eine Mehrheitspartei wie CDU/SPD (und leider auch die AfD) sein. Wir sind nur nur eine Stimme im lebhaften Diskurs der Demokratie. (Hoffentlich die Stimme der Vernunft.) Eine grüne Haltung findet sich glücklicherweise auch bei vielen Politikern anderer Parteien. Und grüne Entscheidungen sind nur gemeinsam mit anderen Fraktionen möglich. Wir glauben, dass unsere Demokratie in Deutschland, mit den vielen Parteien und den öffentlichen Diskussionen und der föderalen Struktur eine gute Sache ist. 

Auch intern in unseren Fraktionssitzungen wird lebhaft diskutiert und nicht immer findet man zu einem Thema eine einheitliche Haltung.

(Eine “Ökodiktatur” wäre nicht im grünen Sinne. Und selbst diese könnte zwar theoretisch in Deutschland alle fossilen Brennstoffe verbieten, aber könnte immer noch nicht das Klima retten. Dazu müsste es eine weltumspannende Ökodiktatur sein, und diese wird es schlicht nicht geben. Dazu sind die Völker der Erde zu vielfältig und zu stark. 

Die einzige „Diktatur“ ist die Realität. Die lässt sich nicht durch Regierungserklärungen und Wahlversprechen wegschieben. Die Realität der Erderwärmung und ihrer Folgen, wie dem Artensterben, die Hochwasser, Dürren und Waldbrände. Die Realität der Menschen auf der Flucht. Die Entwicklung gefährlicher Technologien. Giftige Stoffe in unserem Wasser, unseren Böden und unseren Lebensmitteln. )

Die Grünen neigen dazu, sich um Umweltkatastrophen viele Gedanken zu machen. Das mag als pessimistisches Weltbild erscheinen, wo man nur auf das Negative schaut. Aber wir tun es tatsächlich aus einem tiefen Optimismus heraus, und aus Empathie. 

Wir wollen vor drohenden Gefahren nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern wollen alle Hebel in Bewegung setzen, um die Gefahr abzuwenden oder abzumildern. Weil wir glauben, dass die Menschen dazu in der Lage sind.

Und wir sehen hinter allen Krisen die Vision einer schönen Zukunft, auf der ganzen Welt:

Wo wir mit der Natur im Einklang leben.

Wo wir die Existenz aller Pflanzen, Tiere und Menschen respektieren.

Wo wir uns mit der gesamten Umwelt als verbunden fühlen.

Wo wir mit Hilfe der Wissenschaft zukünftige Bedrohungen erkennen und abwenden.

Wo die Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit ihr persönliches Glück finden und ihren persönlichen Beitrag leisten.