Mühltals Infrastrukur: Wenn Sparen teurer wird als Investieren

Die gesperrte Brücke in der Ober-Ramstädter Straße – der Ersatzneubau wird bis zu 1,5 Millionen Euro kosten. Foto: Steffen Kossowski
Die gesperrte Brücke in der Ober-Ramstädter Straße – der Ersatzneubau wird bis zu 1,5 Millionen Euro kosten. Foto: Steffen Kossowski

Wasserrohre, Kanäle und Brücken halten nicht ewig. Fachleute gehen je nach Material von einer
technischen Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten aus. Das bedeutet im Umkehrschluss: Um
die Infrastruktur in einem ordentlichen Zustand zu halten, müsste jedes Jahr ein entsprechender
Anteil erneuert oder instandgehalten werden. Geschieht das nicht, akkumuliert sich still und leise ein
Sanierungsrückstand.

Genau das scheint in Mühltal über viele Jahre passiert zu sein. Zwei Beispiele aus der
Gemeindevertretungssitzung im Mai machen das deutlich. Erstens: Die Gemeindeverwaltung hat
selbst eingeräumt, dass die Wasserversorgung erstmals Mittel aus dem allgemeinen Haushalt
benötigt hat – weil die Schäden die laufenden Gebührenerträge übersteigen. Zweitens: Die Brücke in
der Ober-Ramstädter Straße ist so stark geschädigt, dass sie vollständig gesperrt werden musste.
Der Ersatzneubau wird bis zu 1,5 Millionen Euro kosten. Eine rechtzeitige Brückensanierung wäre
mit einem Bruchteil dieser Summe möglich gewesen. Dazu kommen die Einschränkungen für alle
Anwohner, die täglich mit dem Umweg leben müssen.

Das Muster ist in beiden Fällen dasselbe. Wer notwendige Erneuerungen Jahr für Jahr aufschiebt,
spart auf dem Papier, zahlt aber später drauf. Ein geplanter Leitungstausch kostet deutlich weniger
als eine Havarie mit aufgerissenem Straßenbelag und sofortigem Handlungsdruck.

Die Wasserversorgung ist über Gebühren finanziert, die genau für diesen Zweck erhoben werden:
Betrieb und Substanzerhalt des Netzes. Dass nun erstmals der allgemeine Haushalt einspringen
muss, ist ein deutliches Zeichen, dass das System aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Bündnis 90 / Die Grünen Mühltal haben die konsequente Pflege der kommunalen Infrastruktur
bereits im Wahlprogramm eingefordert. Der aktuelle Haushalt belegt, dass dieser Rückstand real ist
und teuer wird, wenn er weiter anwächst. Was jetzt gebraucht wird: ein belastbarer Überblick über
den Zustand von Leitungsnetz und Brücken, eine Prioritätenliste, und ein Finanzierungsplan, der
Gebühren stabil hält und weitere Haushaltsbelastungen verhindert.

Die Verantwortung dafür liegt bei der Gemeindevertretung. Wir werden darauf hinwirken, dass
Infrastruktur wieder die Priorität bekommt, die sie verdient, und uns dafür einsetzen, gemeinsam mit
den anderen Fraktionen einen verlässlichen Sanierungsplan auf den Weg zu bringen.